Mit Jeizinen verbinden mich zwiespältige Gefühle. Einerseits erlebte ich dort vor fünf Jahren den ersten Skitag, an dem ich zumindest teilweise komplett alleine unterwegs war.

Andererseits kam hier oben vor 16 Jahren ein Studienkollege in einer Lawine ums Leben. Letzteres wirkt natürlich stärker nach – und trotzdem (oder gerade weil L. es hier wohl auch mochte, weil Jeizinen so klein und abgeschieden ist) will ich von diesem Ort berichten, der das Leben so vieler meiner Freundinnen und Freunde im Januar 2004 nachhaltig durcheinander gewirbelt hat.

Diese Reportage ist nicht aktuell. Die Bilder und das Video stammen von vor auf den Tag genau einem halben Jahrzehnt – wie die Webcams zeigen, sieht es da oben aber immer noch gleich aus, und das ist gut so. Auch damals war’s die letzte Saisonwoche – darum eilt dieser Beitrag: Am Sonntag, 15. März 2020, schliesst das Skigebiet gemäss der Website für diese Saison seine Anlagen.

Zumal der Wallis-Wetterbericht für Mittwoch und Donnerstag dieser zweiten Märzwoche 2020 sehr gut aussieht, kann ich also nur ins Land rufen: Frei nehmen, Corona vergessen, ab auf die Feselalpe! Die Chancen sind gross, dass Sie hier allein sein werden, mehr oder weniger, wie ich an diesem 10. März 2015. Damals hatte es genau noch einen anderen Gast, der aber nur am Morgen unterwegs war. So sind alle Virus-Massnahmen automatisch erfüllt; der Abstand zu allen anderen Menschen dieses holden Planeten dürfte stets mehrere hundert Meter betragen.

Was macht Jeizinen zum Gebiet, das in der Serie „Vintage-Skifahren“ erwähnt wird? – Alles!

Es geht schon unten im Walliser Talboden los. Eine alte, knarrende Seilbahn fährt von Gampel (das man mit dem Postauto ab Visp erreicht) nach Jeizinen. Die Habegger-Zehnergondel aus dem Jahre 1962 macht immerhin knapp 1000 Höhenmeter (von 634 auf 1525 Meter über Meer). Herrscht unten schon Frühling, liegt oben noch Schnee.

Nun gilt es, zunächst einen (für Skischuhe) doch recht langen und teils rutschigen Weg unter die Füsse durchs Dorf zu nehmen. Von der typischen Frühe-Sixties-Bergstation der Gondelbahn spaziert man durchs Dorf zu einer etwas breiteren, geteerten Verbindungsstrasse (über die man schlussendlich nach vielen Kehren nach Albinen und auch Leukerbad gelangen könnte).

Ich will aber nur zur Sesselbahn, die nota bene keine einzige direkte Piste erschliesst, sondern nur die Lücke zwischen Jeizinen und dem Skilift füllt.

Immerhin kann man hier je nach Schneeverhältnissen (und Gleichgewicht) auch die Ski anschnallen.

Enter Walter Städeli!

Willkommen im WSO-Paradies. (Für Nicht-Ferrophile: „WSO“ steht für „Walter Städeli Oetwil am See“ – einen der führenden Skiliftbauer der 1960er- und 1970er-Jahre, dessen bewegte Geschichte wir u.a hier abgehandelt haben). Allein schon die langsame Sesselbahn (Jahrgang 1978) mit den blauen Kunststofflättli, früher Goldstandard des Pisten-Komforts, ist den Besuch hier oben fernab jeglicher Zivilisation wert.

Solche Anlagen gab es in den Siebzigern massenhaft in der Schweiz – damals konnte man sich gar nicht vorstellen, wie entschleunigend sie uns im Zeitalter der kuppelbaren 6er-Sesselbahnen mit Haube sie und dereinst vorkommen würden.

Nach einer gemütlichen Fahrt durch einen himmlisch duftenden Lärchen- und Tannenwald…

… befindet man sich in „Uflängen“. Hier beginnt das eigentliche Skigebiet, das aus sagenaften… aus einem sagenhaften Skilift besteht. (Was nicht ganz stimmt. Es gibt noch einen rund 300m langen Übungstellerlift und einen Ponylift. Doch dazu später.)

Die Städeli-Anlage auf die Feselalp ist das Arbeitspferd hier oben. Sie fährt auf 1429 Metern Länge von 1800m auf 2200m hoch und hat unterwegs zwei „Bananenkurven“; die Ablenkung wird also durch schräg gestellte Rollen erreicht.

Dasselbe finden wir bei praktisch baugleichen Anlagen – alle ebenfalls mit T-Gitterstützen – in Scuol (Champatsch) und Rothwald (im Januar besucht). Die Ablenkung ist hier aber etwas heftiger, und 14er-Rollenbatterien findet man auch nicht alle Tage.

Ganz cool ist aber, dass es hier ein paar letzte Mohikaner hat, letzte Überlebende ihrer Spezies quasi: Gehänge des Typs SL-9H!

„H“ steht bei diesen wunderschön charakteristisch röhrenden Oetwiler Skiliftbügeln für „Hydro“; WSO brachte diese in den frühen 1970ern auf den Markt. (Auch deren Nachfolger SL-HX, etwas feiner und leiser, finden wir an diesem Skilift.) Das Geheimnis des sanften Anfahrens zu Beginn des Liftes kann man auf verschiedene Arten lösen – ab den Siebzigern war es meist keine Federbremse mehr, sondern eben die kleine Hydraulikpumpe in diesem hervorstehenden runden Teil…

…. die dafür sorgt, dass man bereits während des Ausziehens des Bügelseils langsam anfährt und nicht (wie bei alten, schlecht eingestellten Schleppgehängen oder bei vielen Poma-Liften üblich) mit einem halsbrecherischen Ruck davonkatapultiert wird.

Die SL-9H sind für mich wichtige skilifttechnische Kindheitserinnerungen, zumal diese in meinem Homebase Sedrun zuerst am Skilift Tegia Gronda und – vereinzelt – auch am Skilift Planatsch zum Einsatz kamen. Deren Ton faszinierte mich schon damals. Natürlich habe ich mir einen aus dieser Serie für den Berner Garten gesichert:

Kenner der Materie sehen auch sofort, dass ich hier auf dem Skilift Planatsch anno 1978 mit meinem Vater nicht auf einem SL-7-Bügel (links oben im Bild, aus den frühen 1960ern), sondern eben auf einem brandneuen SL-9H reite (und zwar einem mit einem noch ungerichteten, symmetrischen schwarzen Knubbel) – wohl mein erster Kontakt im Leben mit so einem Hydrogehänge:

Bilder von SL-9H-Prototypen (noch mit Holzsitz!) haben ein paar Seilbahnkumpels und ich aus dem WSO-Archiv im Zürcher Oberland gerettet:

So achtete ich natürlich auch an diesem Tag, stets einen SL-9H und keinen SL-HX zur Bergfahrt zu nehmen. Mögen diese kultigen Freunde hier noch lange rauf und runter rattern und röhren!

Auf der Strecke dieses Liftes aus dem Jahre 1975 erwarten einen nebst der sensationellen Kurve auch coole Schilder und knorrige Lärchen…

… und zuoberst auf der Feselalp tief verschneite Hütten. Und eben, der Gipfel des Niwen, der uns Anfang Januar 2004 einen Freund nahm. Es ist – gerade auch, da kein anderer Mensch in der Nähe weilt – ein schöner Ort, um kurz inne zu halten. Was im Wochenbericht des Schnee- und Lawinenforschungsinstituts von damals so abgeklärt tönt, wie Berichte über Lawinenopfer halt tönen, erschütterte viele von uns nachhaltig. Was wäre aus ihm geworden, wenn…?

Was bis heute nachhallt: Ich selbst meide seither fast jegliche off-piste-Aktivität.

Die beiden Pistenvarianten dieses Liftes lassen keine Wünsche übrig – auch wenn die Frühlingssonne den Sulz rasch auftauen liess… wenn man praktisch der einzige Gast ist, kann man auch am Nachmittag noch haufenfrei herumcruisen:

Unten begegnet man dann auch der dritten Städeli-Anlage, einem kurzen Tellerlift (erbaut 1974), der in der Hochsaison das Übungsgelände erschliesst. Leider war dieser Lift quasi schon zusammengeräumt.

Sinnigerweise war übrigens – völlig zufällig – zwei Tage vor mir Kollege Jan Salvisberg auch in diesem Gebiet zu Gast und hat ebenfalls fleissig fotografiert und gefilmt. Dass Jan dereinst einer der führenden Köpfe des Schweizer Seilbahnmuseums werden würde, hätten wir vor fünf Jahren wohl nicht gedacht.

Kulinarisch… na ja. Die Rösti war fein, da gibt es nichts auszusetzen. Ich war damals sowieso schon dankbar, dass man den Lift und den Herd überhaupt extra laufen liess. Die Mittagspause war mit dem Liftmann abgesprochen – ich durfte wählen, wann die Anlage eine halbe Stunde dicht macht. Wir gingen dann alle essen. Die Gespräche zwischen dem Jeiziner Morgenskifahrer, dem Liftmann und der Bedienung waren schwierig zu verfolgen. Hardcore-Walliserdeutsch. Trächu Hittu halt.

Gegen Mitte Nachmittag machten sich die ersten Vorboten einer rasant herannahenden Störung bemerkbar…

… was mich die nun auch allzu weich gewordenen Pisten verlassen liess.

Ich – inzwischen Mutterseelenallein – meldete mich beim Liftmann ab, auf dass er den Lift dicht machen konnte, und nahm die „Talabfahrt“ unter die Latten. Dass die Sesselbahn nämlich keine direkte eigene Piste hat, stimmt so nur teilweise. Über eine Fahrstrasse – vulgo Ziehweg, bei diesem Bremspflotsch sowieso – gelangt man via zahllose Kehren (und Einblicken ins untere Lötschental) zurück nach Jeizinen.

Mit mehr Schnee könnte man sogar noch näher zu Gondel- und Sesselbahn fahren. Der kurze Fussmarsch war aber nicht weiter schlimm.

Achtung: Je nach Verbindung wartet man sich im nicht immens beschaulichen Gampel dumm und dämlich bis zum nächsten Poschi. Unbedingt Fahrplan konsultieren.

Fazit: Zum 100%-Privatskigebiet hat’s nicht ganz gereicht, but it was as close as it gets. Schön alte Seilbahn, drei verschiedene Städeli-Lifttypen, alte Hydrogehänge. Was will man als Vintage-Skifahrer mehr? Alle Bilder in dieser Galerie.

Das Video vom März 2015:

 

Die bisherigen Teile dieser Serie

Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Le Pâquier Crêt du Puy / Chuderhüsi und Linden / Grenchenberg / Ottenleuebad / Homberg / Lauchernalp / Rastello-Turra (Piemont) / Col de Rousset (Drôme, Frankreich) / Mont Gibloux (Fribourg) / Heimenschwand / Ste-Croix Les Rasses / Blumenstein / Fischenthal / Schwanden-Sigriswil / Rothwald / Gspon

Nach Regionen

Aus Bern innert einer Stunde zu erreichen: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Engstligenalp / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / Rüschegg-Eywald / La Berra / Heiligkreuz / Elsigenalp / Eriz / Chuderhüsi und Linden / Ottenleuebad / Homberg / Mont Gibloux (Fribourg) / Heimenschwand / Blumenstein / Schwanden-Sigriswil

Wallis: Eischoll-Unterbäch / Lauchernalp / Rothwald / Gspon

Westschweiz und Jura:  Les Breuleux und Tramelan / Grandval / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Dent de Vaulion / La Berra / Vallée de Joux / Le Pâquier Crêt du Puy / Grenchenberg / Mont Gibloux (Fribourg) / Ste-Croix Les Rasses

Find‘ ich gut. (2 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Wer in Visp mit Skis in die roten Züge der Matterhorn-Gotthard-Bahn nach Süden steigt, hat in aller Regel Zermatt oder Grächen als Ziel. Kaum jemand verlässt den Zug in Stalden-Saas.

Ausser Freundinnen und Freunde von Kleinstskigebieten natürlich: Die wollen nach Gspon!

Dahin – auf immerhin 1900m – führt eine anno 2018 erneuerte Seilbahn. Leider gibt  es also keine Nostalgiepunkte mehr für die alte Zubringerbahn, Jahrgang 1951, die z.B. hier dokumentiert ist. Immerhin ist der Hersteller speziell; die Vorarlberger Firma Steurer hat seit 2009 auch eine Niederlassung in Glarus.

Die Seilbahn für jeweils 25 Personen weist zwei Sektionen auf; in Staldenried muss man umsteigen. Bis hier gilt übrigens das GA; danach gilt dieses als Halbtax. Das Skiticket kann man bereits hier erstehen (Halbtageskarte 30 Franken inkl. Seilbahn).

Im Miniskigebiet auf der Sonnenterrasse Gspon geht es sehr gemütlich zu und her: Nur gerade zwei Skilifte surren hier oben.

Der kürzere von beiden, der einen flachen Hang erschliesst, ist aus skilifthistorischer Sicht wenig spektakulär – es ist eine klassische Küpfer-Anlage von 1984, die ich anlässlich einer Wanderung im Sommer 1989 schon einmal besucht habe:

Als Gehänge kommen die altbekannten Borer-BSG-77 zum Einsatz.

Schade, dass nicht mehr der Original-Schlepper von 1959 hier steht.

Ein lifttechnisches Kleinod hingegen ist der 1973 erbaute Skilift Waldegg, den man nur über einen Piste mitten durchs Dorf und einen kleinen Aufstieg erreicht:

Die Von-Roll-Bühler Anlage erschliesst einen ansehnlichen Hang zwischen Lärchenwäldern und ist fast im Original erhalten, einzig die Metallseile bei den Original-WBB-Röhrs-Einzugsapparaten fehlen aufgrund entsprechender Gesetze (an die sich andere Liftbetreiber allerdings zum Glück nicht halten). Dazu gehört auch ein bärbeissiger Liftmann, den man als Üsserschwiizer kaum versteht.

Das Startstück auf 220m ist schön steil, die Pisten waren perfekt hergerichtet – von hier aus erreicht man übrigens auch schöne Skitourengebiete wie das Ochsenhorn.

Man nimmt es ernst mit dem Skigebiet – für einen sicheren Betrieb ist eine Beschneiungsanlage vorhanden. Allerdings ist die Ausgangslage für so ein Gebiet natürlich schwierig; unterstützen kann man die Skilifte Gspon z.B. als Mitglied des 100er-Clubs.

Gemütliche Verpflegung (das Cordon Bleu war super, die Pommes exzellent gewürzt) bot das Restaurant Alpenblick.

Zum Abschluss des Tages – nach Stalden-Saas gelangt man nur mit der Seilbahn – gab es sogar noch ein wenig Abendrot.

In Zeiten wie diesen, wo rund um Bern oder Im Jura kein einziges Skilift offen ist, lohnt sie die nicht einmal zweistündige Anreise (Gspon ab Bern 1h40) in all diese Oberwalliser Kleingebiete wie Gspon, Visperterminen oder Rothwald selbst für einen halben Skitag. Mehr Fotos in dieser Galerie!

Und wer dann wieder einmal einfach nur sinnlos carvend daherbrettern muss, findet etwas weiter hinten im Tall mit Hohsaas das perfekte Gebiet dafür. Ich war zwei Tage nach Gspon dort; den Bericht können die geneigten Leserinnen und Leser im Alpinforum lesen.

Das Video aus Gspon vom 8. Januar 2020:

 

Die bisherigen Teile dieser Serie

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Wer mit dem Postauto von Brig nach Domodossola fährt, erspäht die Talstation dieses Mini-Skigebietes bei der Haltestelle „Rothwald, Schutzhaus“: Eine klassische Städeli-Konstruktion, wie sie der Zürcher Oberländer Hersteller Mitte der 1970er-Jahre zu Hauf erstellt hat.

Offensichtlich gab es hier früher eine Tankstelle und einen Kiosk – alle Gebäude hier haben schon bessere Zeiten erlebt.

Die Hauptanlage Rothwald-Bodmen weist etliche Besonderheiten auf, die Skiliftfans das Herz höher schlagen lassen: Als Gehänge kommen die „Bügel-Könige“ von Städeli zum Einsatz. Die in den späten 1970ern entwickelten „SL-HX“ sind die sanftestanfahrenden Betriebsmittel der Geschichte. An diesem Lift findet man sie sogar mit den selteneren doppelt angewinkelten Armen, die beim Vorgänger SL-9H üblich waren.

Gleich nach dem Start auf 1752m kommt eine relativ enge Brücke – „usem Lift gheie“ ist hier nicht ratsam. Danach geht es anderthalb Kilometer mehrheitlich sehr steil durch einen Lärchen-/Tannenwald.

Kurz vor einer klassischen Städeli-Bananenkurve (Ablenkung durch schräg gestellte Rollen an einer Rundrohrmastenkonstruktion) finden wir die erste von zwei einfach geführten Portalstützen an dieser Anlage, die ansonsten die klassischen T-Gittermasten aufweist, wie wir sie z.B. bestens von Champatsch II in Scuol oder Arsat in Les Mosses her kennen.

Die Bergstation auf 2224m wiederum kombiniert zwei klassische WSO-Umlenkstationselemente:

Dazu kommen verschiedene Rollenbatterietypen, darunter viele Wechsellastkonstruktionen, die den Lift ordentlich klingen und klappern lassen.

Kurzum: Die Vielfalt an Stützen und Rollen sowie die Steilheit und die Kurve machen diesen Lift zu einem ganz besonderen Exemplar für Ferrophile.

Nun werden aber die meisten Leserinnen und Leser nicht zur Huldigung dieses Meisterstücks von Walter Städeli, sondern der Landschaft wegen hierher fahren. Auch das lohnt sich sehr. Schöner als Alpinforum-User „Harzwinter“, der vor sieben Jahren in Rothwald zu Besuch war, kann man es nicht beschreiben – darum hier sein Zitat:

Von der Simplonstraße aus sieht man vom Skigebiet Rothwald-Wasenalp überhaupt nichts. Auch nach dem Hochstiefeln zur Talstation des schweren WSO-Schlepplifts Bodmen sieht man nicht mehr als dessen steile Waldtrasse. Er schaufelt die Skifahrer rund 450 Höhenmeter hinauf auf die Alpfläche Burst unterhalb des prägenden, 3246 m hohen Wasenhorns, das von hier ganz anders aussieht als von der Bettmeralp.

Der zweite Skilift im Gebiet könnte nicht unterschiedlicher ausfallen: Der flache SCHL Kastelegge erschließt direkt nur eine kurze blaue Piste, indirekt aber sämtliche langen Hintenrum-Abfahrten des Gebiets. Davon gibt es gleich drei, weiter unten an der Wasenalp alle wieder zusammenkommen. Darüber hinaus hat der SCHL Bodmen eine eigene schwarze Direktabfahrt.

In der Summe erschließen beide Liftanlagen eine erstaunliche Vielfalt teilweise recht langer und landschaftlich wunderbarer Abfahrten, teils offen, teils durch Waldstücke, mal über ein Wegstück, teils an Alpsiedlungen entlang. Ständig ist dabei das Panorama der Berner Alpen über dem oberen Rhonetal im Blick, vom Bietschhorn über Nesthorn, Unterbächhorn, Gross Fusshorn, Geisshorn zu den Wannenhörnern überm Aletschgletscher, darunter Blatten und die Belalp und auf der anderen Seite der Massaschlucht die Riederalp.

Ja, diese schwarze Piste hat es tatsächlich in sich – jetzt, im Januar, liegt sie leider fast ganztags im Schatten.

Schade war an diesem Dreikönigstag 2020, dass nur ganz wenige Pisten in der vorausgehenden Nacht frisch gewalzt wurden. Angesichts des guten Dutzends an Skifahrern, das sich hierher verirrt hatte, einerseits verständlich – aber auch irgendwie schade. Zu einem Fünfstern-Kleinskigebiet würde eben auch gehören, dass man in der Präparation kompromisslos wäre. Der schöne, noch nicht allzu harte Pulverschnee liess die Enttäuschung darüber aber auf einem tiefen Niveau verharren.

Die Tageskartenpreise (Skidata-System mit Schranken nur bei der Talstation) sind gemessen an diesem Minus eher an der oberen Grenze anzusiedeln – ab 11 Uhr gibt es allerdings stündlich zunehmende, faire Rabatte. Drei Webcams bieten einen schönen Überblick.

Die weiteren Varianten – meiste rote Pisten – lassen sich ebenfalls sehen. Sie liegen in malerischen Landschaften sowie Wäldern und führen an derzeit tief verschneiten Siedlungen vorbei – das Simplongebiet ist im Jänner 2020 die besteingeschneite Region des Landes.

Etwas störend ist, dass fast jede Piste grössere Ziehweg-Anteile hat. Hingegen bietet fast jede Abfahrt auch ein Highlight wie Couloirs, Carving-Flachstücke usw.

Die besten Pisten im Osten des Gebiets erreicht man mit dem 1983 erbauten Skilift Kastelegg, einem seltsamen Konglomerat aus Küpfer, Borer und Städeli (mit Habegger-Gehängen).

Zum Mittagessen gab es einen famosen Fensterplatz im Restaurant Wasenalp:

Leser „Natischer“ wies nach der Lektüre dieses Beitrages auf ein weiteres Merkmal der Region hin: „Zu erwähnen wär vielleicht noch das überaus prächtige Skitouren-Gebiet -> Mäderlicka oberhalb der Skilifte. Sehr beliebt bei Oberwallisern und Italienern.“

Fazit: Nach Visperterminen und Jeizinen ein weiteres Walliser Top-Miniskigebiet abseits jeglichen Rummels! Mehr Bilder in dieser Galerie.

Das Video des Tages:

 

Die bisherigen Teile dieser Serie

Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Le Pâquier Crêt du Puy / Chuderhüsi und Linden / Grenchenberg / Ottenleuebad / Homberg / Lauchernalp / Rastello-Turra (Piemont) / Col de Rousset (Drôme, Frankreich) / Mont Gibloux (Fribourg) / Heimenschwand / Ste-Croix Les Rasses / Blumenstein / Fischenthal / Schwanden-Sigriswil

Nach Regionen

Aus Bern innert einer Stunde zu erreichen: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Engstligenalp / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / Rüschegg-Eywald / La Berra / Heiligkreuz / Elsigenalp / Eriz / Chuderhüsi und Linden / Ottenleuebad / Homberg / Mont Gibloux (Fribourg) / Heimenschwand / Blumenstein / Schwanden-Sigriswil

Wallis: Eischoll-Unterbäch / Lauchernalp  / demnächst: Jeizinen / Visperterminen / Gspon

Westschweiz und Jura:  Les Breuleux und Tramelan / Grandval / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Dent de Vaulion / La Berra / Vallée de Joux / Le Pâquier Crêt du Puy / Grenchenberg / Mont Gibloux (Fribourg) / Ste-Croix Les Rasses

 

Find‘ ich gut. (5 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

TL/DR: Meine Swisspass-Karte ist defekt. Anstatt online eine neue zu bestellen, muss man anrufen, wobei einem gesagt wird, dass eine Ersatzkarte 30 Franken koste, und dass man an einen Schalter müsse. Diese Abläufe zu kompliziert für die Kundinnen und Kunden, zudem ist die Gebühr grundsätzlich fragwürdig (und man muss sie, wenn man genug stürmt, sowieso nicht bezahlen). Besser wäre, wenn man einfach online kostenlos eine neue Trägerkarte bestellen könnte.

Nun hat es mich also erwischt: Der Swisspass mit dem darauf geladenen Skiticket liess mich gestern Nachmittag nicht mehr auf den Sessellift, nachdem es am Morgen noch problemlos klappte. Die Frau am Schalter der Bergbahnen legte die Karte zur Kontrolle auf ihr Skidata-System und sagte: „Ihr Swisspass-Chip für externe Tickets ist nicht mehr auslesbar, es zeigt ihn mir gar nicht an, da muss etwas defekt sein.“

Holen wir etwas aus.

Ich bin eigentlich ein grosser Freund des Swisspass; den Unkenrufen bei der Einführung konnte ich nicht viel abgewinnen. Im Gegenteil – es ist schade, dass er nicht noch mehr kann. Ich erinnere mich zum Beispiel mit viel Fernweh an T-Money in Südkorea. Aber dass man nicht jährlich eine neue Karte bekommt, ist gut. Was mich noch stört:

  • Dass er nicht auf den NFC-Chip im iPhone „passt“ (wobei das klar ein Apple-Problem ist und keins der Transportunternehmungen) und umständlich per QR-Code ausgelesen werden muss.
  • Dass man den Swisspass zum Skifahren aus dem Portemonnaie nehmen und in die Skijacke stecken muss – wo er dann vergessen gehen kann. Wenn man bei der nächsten öV-Fahrt eine andere Jacke trägt, kann das unangenehme Folgen haben.
  • Hinterlegungen des GA sind inzwischen endlich gratis – danke, Herr Meierhans -, aber leider nur telefonisch möglich und nicht über die App. (Auch dies hat mit dem Swisspass-Kärtchen an sich nichts zu tun; ich erwähne dies nur, weil in diesem Text noch mehrere Male die fehlende Online-„Selbstadministrierbarkeit“ rund um den Swisspass zur Sprache kommen wird.)

Ansonsten ist es z.B. sehr praktisch, ein „Snow & Rail“ zu lösen und den Tagespass gleich auf den Swisspass zu laden. Der Bestellprozess könnte zwar viel einfacher sein (beispielsweise über eine App, wie es z.B. Ticketcorner vormacht) – aber prinzipiell klappt das für mich als GA-Inhaber ohne Medienbruch und Papier-Ausdruck. (Im Zug zeige ich inzwischen ohnehin nur noch den QR-Code in der SBB-App, zumal ich das Handy sowieso fast immer schneller zur Hand habe als das Portemonnaie.)

Nun kann natürlich etwas sehr Grundlegendes schief gehen: Dass nämlich der Swisspass defekt ist. Genau das ist mir gestern passiert.

Und zumal das Swisspass-Kärtli letztlich eben doch „der Schlüssel zu fast allem“ ist, brauche ich – logisch – eine neue Karte.

Als langjähriger Besitzer eines Generalabonnementes hätte ich erwartet, dass ich mich in mein Swisspass-Konto einloggen und kostenlos eine neue Karte bestellen kann. Aber weit gefehlt: Man muss dem GA-Service-Center anrufen. Auf eine günstige, aber doch kostenpflichtige Nummer.

Ich erklärte Frau C. das Problem, aber sie schien nicht so recht zu verstehen, worum es geht – ich wurde den Eindruck nicht los, dass sie es auch nicht verstehen wollte. Spätestens als sie dann damit kam, dass 30 Franken für eine neue Karte fällig würden, jagte es mir den Nuggi raus und ich wurde relativ direkt – geht’s eigentlich noch?

Die Karte hatte keinen sichtbaren defekt, ich war nicht in der Nähe starker Magnetfelder, die Karte funktionierte seit der Auslieferung anstandslos, ich habe der SBB seit meiner Kindheit wohl fast 100’000 Franken überwiesen – und nun sollte ich also 30 Franken für ein nicht selbst verursachtes Problem berappen?

Frau C. meinte noch, ich müsse an einen Schalter, den Swisspass vorweisen und die würden dann schon schauen. Na danke – ich hatte meine Hausaufgaben ja schon gemacht und abgeklärt, dass der Chip nicht mehr auslesbar ist. Ein Skidata-Gerät wird sich kaum irren. Entweder glaubte mir Frau C. nicht, oder sie arbeitete stur eine Standard-Checkliste ab. Ich war mit der Zeit zu entnervt und willigte ein, an den Schalter zu gehen.

Heute kam es, wie es kommen musste: Am Bahnschalter (die Viertelstunde sinnlosen Aufwand sollte man eigentlich inklusive Mehrwertsteuer dem GA-Service-Center verrechnen) zeigte ich den Swisspass, der freundliche Mitarbeiter gab mir einen Übergangs-Papier-Swisspass und die Quittung „Swisspass-Ersatzkarte kostenlos“. Die neue Karte sollte in ein paar Tagen eintreffen, und ich freue mich schon auf die nächsten Skitickets, die ich dann wieder draufladen kann.

Was kann die SBB, was kann das GA-Service-Center in Brig aus dem Fall lernen?

Hier sind meiner Ansicht nach mehrere grundsätzliche Dinge schief gegangen, welche die Verantwortlichen besprechen und korrigieren sollten:

  • Ich bin kein grosser Freund der Klassengesellschaft. Man muss mir nicht den roten Teppich ausrollen, weil ich viel Geld in den öV Pumpe – dass ich das GA vor allem aus Bequemlichkeit habe und es nie herausfahre, kann der Kundendienst nicht wissen. Aber er kann (hoffentlich) aus meinem Profil lesen, dass ich ein jahrzehntelanger Stammkunde bin, der nie Inkassoprobleme machte und immer ein Jahres-GA hatte. Solchen Kunden mit 30 Franken zu „drohen“, ist gegen jeglichen Sinn für guten Kundendienst.
  • Dass die Karte überhaupt etwas kostet, widerspricht wohl dem Vernunfts- und Gerechtigkeitssinn der meisten Menschen. Ohne einen funktionstüchtigen Swisspass kann ich „am System“ nicht teilnehmen. „Das System“ hat bestimmt, dass man dafür eine Trägerkarte namens „Swisspass“ braucht. Ergo muss „das System“ mir diese Karte gratis abgeben und ersetzen – abweichende Regelungen dürfen meinetwegen für „grosse Schlufis“ gelten, die alle drei Monate einen Verlust melden. Als Faustregel würde ich vernünftigerweise festlegen, dass man allen Kundinnen und Kunden, die alle 20-30 Monate eine neue Trägerkarte bestellen, diese anstandslos gratis abgibt.
  • Dass man einen Anruf tätigen muss statt sich einzuloggen und eine neue Karte zu bestellen, und dass man am Telefon dann gebeten wird, an den Schalter zu gehen, ist eine Zeit- und Ressourcenverschwendung sondergleichen. Zuerst wird man als Kunde am Telefon „beübt“ und mit Gebührendrohungen hässig gemacht, danach muss man am Schalter anstehen (am Bahnhof Bern betragen die Wartezeiten üblicherweise 10-20 Minuten) und beschäftigt dann auch noch einen Angestellten einige Minuten lang, der Gescheiteres tun könnte in dieser Zeit.
  • Meine Karte war zwar – was Risse angeht – unbeschädigt, aber mein Foto war kaum mehr sichtbar und die Schutzfolie blätterte an vielen Orten ab. Ich dachte mir ehrlich gesagt schon eine Weile, wie lange es dieser Swisspass noch machen würde; gestern segnete er tatsächlich das Zeitliche. Offenbar gibt es auch ein Qualitätsproblem in der Herstellung.

Die Kurzfassung: Mit den 30 Franken für eine Ersatz-Swisspass-Karte macht man nur seine Kundschaft sauer und bringt sie gegen sich auf. Und auch wenn man diesen Betrag nicht bezahlen muss, ist es im Online-Zeitalter ein unnötiger Aufwand, für den simplen Ersatz einer defekten Plastikkarte persönlich an einen Schalter zu müssen.

Ich wäre jedenfalls nie auf die Idee gekommen, diesen Text zu schreiben und ihn cc an den Preisüberwacher und die Stiftung für Konsumentenschutz zu verzwitschern, wenn Frau C. gestern einfach gesagt hätte: „OK, Herr Jacomet, sorry für die Umstände mit der Karte – ich veranlasse sofort, dass man Ihnen einen neuen zustellt. Sie sollten die Karte in etwa einer Woche bekommen. Kann ich sonst noch was für Sie tun?“

Ich befürchte allerdings, dass diese Geschichte weniger ein Problem in der Ausbildung der Kundenbetreuenden ist, sondern eher ein Fall für den Preisüberwacher. Herr Meierhans, übernehmen Sie… ähm, ich meine: bleiben Sie bitte auch weiter dran! Auch wenn gemäss diesem Text die Verhandlungen mit den SBB „ausnehmend schwierig“ seien und das Bahnunternehmen“mit und nicht gegen die Bürger“ arbeite.

Was wir hier leider einmal mehr bemerkt haben.

Find‘ ich gut. (6 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Vorbemerkung: Die Bilder mit Nebelmeer in diesem Bericht stammen vom 20. Januar 2017, diejenigen ohne Nebelmeer vom 18. Februar 2019. Das Video stammt vom Januar 2017.

Die Gemeinde Sigriswil liegt auf der Sonnenterasse am rechten Ufer des Thunersees, oberhalb von Gunten. Die Bekanntheit der Gemeinde wurde unlängst durch die Hängebrücke über die Gummischlucht gesteigert.

Die vielseitigen Nordwesthänge des Sigriswilergrates erschliessen zwei Skilifte, die Anfang den 1970er-Jahre von zwei unterschiedlichen Firmen erstellt wurden: Die Skilift Wilerallmi AG liess von der Steffisburger Firma Küpfer einen rund 1000m langen Kürzbügler hinauf zur Alpiglen aufstellen.

Die Skilift AG Schwanden hingegen erschloss die etwas weiter nördlich gelegenen Hänge um Surrenbergli ebenfalls mit einem Steffisburger Produkt, aber einem weitaus spannenderen: Bachmann & Co, kurz Baco, ist bekannt für seine komplexen Kurvenkonstrukte. Eine Bachmannkurve kam auch beim anderthalb Kilometer langen Skilift zum Einsatz.

Ende der 1980er kam der Borer-Tellerlift Allmedschwanden am Übungshang dazu; dieser dient auch als erweiterter Zubringer von zusätzlichen Parkplätzen.

Jahrelang gab es hier zwei separate Skipässe – leider ein Klassiker in der kleinräumigen und manchmal kleingeistigen Schweiz. Diesen Missstand hat man zum Glück behoben. Mitte dieses Jahrzehnts kam dann endlich auch eine zeitgemässe Website dazu, die auch die Loipen im Justistal abdeckt.

Die Pisten liegen zwischen 1000 und 1500m; sie sind interessant trassiert und vielseitig. Gerade bei wenig Schnee spürt man das schön coupierte Gelände. Wenn mehr von der weissen Pracht liegt, findet man zahllose lange Carvinghänge. Es stehen an beiden Liften je vier Pistenvarianten in allen Schwierigkeitsgraden zur Verfügung.

Das Skigebiet ist der perfekte Beweis dafür, dass man für vielseitigstes Skivergnügen nicht 70 Franken ausgeben muss und 35 Anlagen braucht. Die Tageskarte für Erwachsene ist mit 32 Franken preislich fair angesiedelt; allein schon für die sensationelle Aussicht auf den See könnte man so viel verlangen.

Leider findet man nur einen Lift im schweizerischen Seilbahninventar – und dazu den prinzipiell uninteressanteren Küpfer-Skilift Wilerallmi. Der Bachmann-Schlepper hätte mit seinen rund fünf  verschiedenen Gehängetypen (davon zahllose alte Baco aus den Anfängen und eine bislang unbekannte Mischung aus Poma und Liftbyggarna), den angewinkelten Stützen und der 35-Grad-Kurve ebenso einen Eintrag verdient. Auf der Talstation desselben steht übrigens auch eine Solarstromanlage, die rund 46’000 Kilowattstunden jährlich produziert.

Der Lift (und vor allem die Kurve, siehe Video) machen ordentlich Geräusche. So muss ein Schlepplift sein!

Derzeit (Mitte Februar 2019) kann man ab 12.30 Uhr auch ruhig eine Halbtageskarte für 25 Franken lösen, vor dem Mittag sind die Pisten pickelhart. Die Pisten sind trotz einiger brauner Stellen super – man muss aber Sulzschnee mögen, klar. Lange wird es wohl nicht mehr reichen.

Aber auch wer diesen Bericht Jahre später liest: Für mich ist es von der Vielseitigkeit und Erreichbarkeit her, aber auch punkto Technik-Nostalgiefaktor DAS Skigebiet ab Bern. Es ist auch Teil des Verbundes „Voralpen-Charme„.

Vorbildlich: Im Vergleich zu anderen Miniskigebieten herrscht hier auch an Wochentagen Vollbetrieb, nicht nur am Wochenende und am Mittwochnachmittag. Und: Auch Off-Piste-Fahrerinnen und -Fahrer kommen auf ihre Kosten, wenn es die Schneelage erlaubt.

Verpflegen kann man sich bei den Talstationen – Variante „klein, urchig, einfach, währschaft“.

Fazit: Ich erlebte hier im Januar 2017 und Februar 2019 sensationelle Skitage, einmal mit traumhaftem Nebelmeer und Powder, einmal bei frühlingshaften Verhältnissen. Hier stehen wunderbare alte Anlagen (mit Kurven) von lokalen Herstellern (dazu ein Borer aus der Nordwestschweiz), die ordentlich Heavy-Metal-Lärm machen.

Malerische Landschaft mit Wiesen, Nadelwäldern und grossen Laubbäumen am Fusse des Sigriswiler Rothorns; beidesmal wenig Leute (aber so viel, dass die Lifte ein wenig was verdienen); recht kurze Anfahrt ab Bern (per Auto in 50 Minuten); engagierte Skiliftteams; Aussicht auf den Thunersee, Niesen, Stockhorn und bis in die Stadt Bern. Empfehlenswert und unterstützenswert!

Alle Bilder aus Schwanden-Sigriswil in dieser Galerie auf skiliftfotos.ch; meine Alpinforum-Berichte sind hier und hier zu lesen. Hier das Video vom Januar 2017:

Die bisherigen Teile dieser Serie

Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Le Pâquier Crêt du Puy / Chuderhüsi und Linden / Grenchenberg / Ottenleuebad / Homberg / Lauchernalp / Rastello-Turra (Piemont) / Col de Rousset (Drôme, Frankreich) / Mont Gibloux (Fribourg) / Heimenschwand / Ste-Croix Les Rasses / Blumenstein / Fischenthal

 

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Das Zürcher Oberland stand schon lange auf meiner To Do List. Nachdem beschlossen war, dass der Vierjährige meiner besten Freundin aus Zürich heuer auf die Ski soll, war für mich auch klar, wohin es am Freitag geht: Nach Fischenthal!

Denn bei diesem Skilift – bekannt durch die Snowboard-Olympiasieger, die Gebrüder Schoch als Söhne der Betreiberfamilie – hat es einen Ponylift, zudem eine Skivermietung direkt bei der Talstation, sehr praktisch…

… und im Gegensatz zu den anderen Liften in der unmittelbaren Umgebung (Oberholz bei Wald, Steg) ist hier auch an Wochentagen ab 9 Uhr Vollbetrieb (in Steg macht der grosse Lift derzeit ebenfalls schon am Morgen auf).

So konnte der Kleine am Übungshang den ersten Skitag seines Lebens verbringen, und ich genoss nebst dem Dasein als Hilfsskilehrer meine ersten Skistunden im ZüriOberland. Der Skilift aus dem Jahre 1963 wurde hier (im Gegensatz zu Steg, wo die alten SL7-Gehänge von Städeli im Einsatz stehen; da muss ich unbedingt hin) anno 1998 auf Doppelmayr-Selbstbedienungsbügel umgebaut.

Wie fast alle Anlagen in der Umgebung (und da gibt’s einige – nebst den genannten auch noch Bäretswil, Ghöch, Atzmännig usw.) stammt der Skilift natürlich von Städeli; die WSO-Maschinenfabrik stand schliesslich gleich in der Nähe. Anno 1985 führte der Patron höchstpersönlich einen skiliftbegeisterten 13-Jährigen durch seine Fabrik und erwähnte, dass er sich im Oberland für so manche Anlage eingesetzt habe. Auf dem Weg fährt man am Ortsschild „Oewtil am See“ vorbei, das Skiliftfans das Herz höher schlagen lässt. In der Gegend gibt es mit Gommiswald leider auch Städeli-LSAP zu beklagen (für Nicht-Liftfreaks bedeutet das: ein Gebiet mit Städeli-Liften wurde stillgelegt).

Im WSO-Archiv haben wir vor einigen Jahren auch einige Konstruktionspläne der US-120-Anlage (also des „schwerstmöglichen“ Typs) in Fischenthal gefunden:

Der ins Seilbahninventar eingetragene Lift führt von einem Bauernhof bei der Unteraurüti auf die 1050m hoch gelegene Egg. Er führt u.a. über eine Brücke, bei der es auch ein urchiges Beizli mit günstigen Preisen hat.

Von der Bergstation aus geniesst man eine wunderbare Aussicht auf die Alpen (bis weit in die Berner Alpen hinein), die Vogesen und den Schwarzwald. Am Freitag gab es im Zoom (hinter dem auf dem Hügel im Vordergrund sichtbaren Skilift Ghöch) sogar Luftspiegelungen zu beobachten aufgrund der Inversionslage.

Im Seilbahninventar ist die Anlage wie folgt gewürdigt:

Der Skilift Brand-Oberegg in Fischenthal ist eine repräsentative Städeli-Anlage der frühen 1960er-Jahre mit charakteristischem Brückenantrieb und typischen „schweren Fachwerk-Portalstützen“, die auf die Technik von Theodor Brunner zurückgehen. Walter Städeli, der in Oetwil am See eine mechanische Werkstätte betrieb, begann in den 1950er-Jahren in Arbeitsgemeinschaft und mit dem Know how des Ingenieurs Theodor Brunner mit der Konstruktion von Skiliften. In den frühen 1960er-Jahren, nach dem Ausscheiden Brunners aus Städelis Werkstätte, stieg Städeli, auf der Basis von Brunners Entwicklungen, gross ins Skilift- respektive Seilbahngeschäft ein. Aus dieser Phase des Übergangs stammt der in einem ansehnlichen Masse original überlieferte Skilift in Fischenthal. Der Skilift, der auf die Initiative eines einheimischen Landwirts und auch auf das grosse Engagements des Liftfabrikanten Städeli zurückgeht, ist einer der frühesten Lifte im Zürcher Oberland und zählt zum attraktiven, familienfreundlichen und per Strasse sowie Eisenbahn gut erschlossenen Wintersportangebot im oberen Tösstal.

Die Thematik „Brunner vs. Städeli“ haben wir z.B. in diesem PDF bereits behandelt.

Zurück zum Skilift Fischenthal: Kurz vor einem ansehnlichen Steilhang wurde ein Niederhalter offenbar vor nicht langer Zeit durch eine modernere Stütze ersetzt.

Schon Ende der 1980er schaffte man hier Schneekanonen an, was einen relativ sicheren Betrieb ermöglicht. Am Freitag lag allerdings auch im Talboden mehr als genug Naturschnee, wie man auf den Fotos sieht. Die Pisten sind sehr angenehm coupierte ideale Carvingpisten zwischen rot und blau; zuoberst gibt es einen (am Freitag nicht präparierten) schwarzen Steilhang.

Die Landschaft des oberen Tösstals erinnert Bernerinnen und Berner entfernt ans Emmental – sanfte Hügel, aber auch steilere Abhänge zwischen rund 700 und 1200 Metern über Meer.

Hat mir alles extrem gut gefallen – ich komme wieder… und rundherum gibt es noch viel mehr zu entdecken. Alle Bilder vom 15.2.2019 in dieser Galerie.

Die bisherigen Teile dieser Serie

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Ha! Ein weiterer mondäner Ort mit geheizten 8er-Sesselbahnen und 3S-Erschliessungen aller umliegenden Gipfel!

Ich habe mir aber in dieser Skistation von Weltruf allerdings nur diese eine Anlage angeschaut: Einen Baco-Skilift aus dem Jahre 1973. Das Ding (produziert im nahen Steffisburg) ist also beinahe so alt wie ich selbst – aber besser erhalten. Infos zum Skilift Chrachenhütte gibt es auf der Facebook-Seite des Skiliftes und der Gemeindewebsite.

Blumenstein ist eine kleine Gemeinde zu Füssen des Gantrischgebietes, aber auch der Stockhornkette, grob gesagt in der Nähe von Thun, 35 Autominuten ab Bern, zwischen Gürbetal und Stockental; das Quellgebiet des Gürbe liegt in der Nähe.

Das Der vornehmlich von Kindern bevölkerte Liftlein liegt im Schatten auf etwa 750müM. Hätte man ihn verlängert, wären noch ein paar schöne Steilhänge dazu gekommen – für deren Präparation es allerdings nur alle 30 Jahre genug Schnee hätte. Am letzten Dienstag (12. Februar 2019) hiess es „Pulver gut“ – und als Vertreter von skiliftfotos.ch bekam ich („Danke, dass du für uns Werbung machst“) vom Liftwart eine heisse Ovo ausgeschenkt. Danke, Kurt!

Die Aussicht reicht über den Belpberg bis knapp in die Region Bern, an den Hügel des vor einer Woche besuchten Skiliftes Heimenschwand, den Thunersee, die Lifte in Schwanden und Sigriswil, das Niederhorn sowie Eiger und Mönch. An den Abenden finden hier Fondue-Nachtskifahr-Kombi-Abende statt (Fondue und Lift in einer Karte inklusive). Auch wenn man es als Freund anspruchsvoller, langer Abfahrten hier kaum länger als 1-2 Stunden aushält… Prädikat: Unterstützenswert!

Alle Fotos in diesem Album.

Das Video des Tages:

Die bisherigen Teile dieser Serie

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